Verbesserte Herde: Einfache Technologie mit großer Wirkung

Herstellung der ANAGI Herde
Herstellung der ANAGI Herde

In den vergangenen Tagen war ich mit der Nichtregierungsorganisation IDEA (Integrated Development Association) in der Region Kandy unterwegs. Dort haben wir sehr arme Dörfer besucht, in denen Menschen verbesserte Herde und verbesserte Küchen einsetzen (unter anderem durch die Implementierung von Rauchabzügen und  einer Wasserversorgung mit einfachen und lokal verfügbaren Materialien).  Zudem waren wir in einem Dorf, in dem diese verbesserten Herde mit regionalen Materialien (Lehm) produziert werden. Die Wirkungen dieser relativ einfachen Technologie sind enorm: Der Holzverbrauch für das Kochen konnte um ca. 40 Prozent gesenkt und die sog. Indoor-Air-Pollution verhindert werden. Das Feuer muss nicht in gleicher Weise beaufsichtigt werden wie bei dem klassischen „Drei-Steine-Herd“ und ermöglicht es den Frauen, parallel zum Kochen auch ihre Gärten zu bewirtschaften. Darüber nutzen einige Haushalte die verbesserten Herde zur Schaffung zusätzlichen Einkommens, da sie Hopper (eine Art Fladenbrot) selbst kochen bzw. backen und diese dann an das nachstgelegene Geschäft verkaufen. Es war sehr interessant zu sehen, welche positiven Wirkungen eine so einfache Technologie haben kann, die zudem auch erschwinglich für ärmere Bevölkerungsschichten ist.

Am Freitag waren wir dann den ganzen Tag über in einem Dorf, in dem verschiedene Töpferhaushalte diese verbesserten Herde produzieren. Bevor IDEA mit der Arbeit in diesem Dorf angefangen hat, waren die Menschen dort so arm, dass sie sich kaum einen Stuhl oder Möbel leisten konnten.  Zudem gehören Töpfer traditionell zur niedrigsten Kaste in Sri Lanka und die Menschen aus dem Dorf mussten mit ihren Töpfen und Trommeln in den benachbarten Dörfern von Haus zu Haus ziehen, um sie dort anzubieten. Das ist nun völlig anders geworden: Fast alle Haushalte partizipieren (auf unterschiedlichem Niveau) von der Fertigung der verbesserten Herde und konnten ihre Lebenssituation stark verbessern.  Schattenseiten hat das ganze aber auch: Die Solidarität im Dorf hat nach Aussage fast aller Befragten abgenommen, die Menschen bzw. Haushalte konkurrieren miteinander und es werden zunehmend Mauern um die einzelnen Anwesen gezogen…

Allerdings wird darauf auch reagiert: Es gibt eine dörfliche Kooperative, an die die Töpfereien entsprechend ihres Einkommens Beiträge zahlen. Diese garantiert eine Art Versicherung für in Not geratene Familien, schafft Gemeinschaftsgeräte an und kümmert sich darum, dass die Kinder auch in die Schule gehen. Zur Zeit tun sie das häufig nicht, da sie in den elterlichen Betrieben arbeiten.  Abwanderung junger Leute aus dem Dorf gibt es allerdings kaum, da diese meist die elterlichen Betriebe übernehmen.

Somit schafft diese Technologie eine doppelte Wirkung hinsichtlich der Armutsminderung: Sie leistet sowohl einen Beitrag auf der Ebene der Nutzerinnen und Nutzer als auch einen bedeutenden Beitrag für die Einkommensverbesserung der sie produzierenden Haushalte. Zudem werden die Herde komplett regional und mit regionalen Materialien gefertigt. Dies trifft in diesem Ausmaß bisher auf keine der anderen von mir untersuchten Technologien zu.

Wichtig für den Erfolg war die Strategie der Implementierung. Der verbesserter Herd namens ANAGI wurde über drei Jahre unter expliziter Beteiligung der Bevölkerung entwickelt, um die von der Bevölkerung benannten Notwendigkeiten aufzugreifen. Die Töpferinnen und Töpfer wurden über mehrere Jahre regelmäßig ausgebildet, sodass Standards für die Produktion und Lebensdauer des ANAGI Herds garantiert werden können.

Am Samstag haben wir dann noch Haushalt besucht, der einen wesentlich größeren verbesserten Herd einsetzt, um Süßigkeiten herzustellen. Dieser Produzent konnte seinen Brennstoffeinsatz sogar um 60 Prozent reduzieren und gleichzeitig seine Produktion verdoppeln.

Verbesserter Herd in Aktion

Produktion des ANAGI Herdes
Produktion des ANAGI Herdes
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2 Antworten zu “Verbesserte Herde: Einfache Technologie mit großer Wirkung

  1. und ich mach‘ mir ’nen kopp um lebkuchen … räusper.
    hey dino, scheint ja ziemlich sehr klasse zu laufen! bin gespannt, wass du noch zu erzählen haben wirst.
    lieben gruß – immerhin aus der sonne und mit angenehmen 10 grädern, grins
    h.
    :)

  2. hallo dino,

    verfolge mit spannung deine berichte.

    dein bett ist ja allerliebst…

    lass es dir gut gehen!

    mo.

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